Bruder Konrad
Bruder Konrad von Parzham
Der heilige Kapuziner an der Klosterpforte von Altötting

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Necrolog

in: Analecta Ordinis Minorum Capuccinorum, Rom Vol. X., 1894, 351 - 352. (übersetzt von P. Simpert Kienle, April 2005)

"In Altötting in Bayern starb fromm im Herrn am 21. April 1894 Bruder Konrad Birndorfer von Parzham, Diözese Passau, Laienbruder, im Alter von 75 Jahren, 43 Jahre im Orden.

Unser lieber Mitbruder stammt von frommen christlichen Eltern ab und zeigte schon als Kind unzweifelhafte Zeichen echter Frömmigkeit. Als erwachsener verzichtete er auf das reiche väterliche Erbe und trat, um dem göttlichen Ruf zu folgen, in den Kapuzinerorden ein. Schon kurz nach seiner feierlichen Profess wurde Br. Konrad wegen seiner Reife und Zuverlässigkeit das schwierige Amt des Pförtners im Konvent Altötting anvertraut, einem Konvent, der alle anderen in der Provinz überragt an Zahl der Mitbrüder, der Werkstätten und der Seelsorgsaufgaben, denn zur Gnadenstätte der Seligen Jungfrau Maria kommen alljährlich mehr als 300 000 Gläubige aus allen Gegenden Deutschlands und Österreichs.

An diesem Ort war Br. Konrad mehr als 40 Jahre als Pförtner tätig in aller Sorgfalt, Klugheit und mit unbesiegbarer Geduld. Seine Aufgabe als demütiger, frommer, Gott hingegebener, einfacher, gereifter und arbeitsamer Bruder erfüllte er so, dass er mit Recht von allen seinen Oberen und Mitbrüdern wie auch von den Weltleuten sehr geschätzt und beliebt war. Niemand hörte unseren Pförtner murren, missgelaunt schimpfen, andere herabsetzen, voreilig verurteilen, noch hörte man von ihm ein unnützes oder überflüssiges Wort, obwohl er im Laufe der vielen Jahre es mit unzählig vielen Menschen zu tun bekam. Sein Dienst nahm Bruder Konrad voll in Anspruch, so dass ihm nicht selten die Zeit zur gemeinsamen Mahlzeit mit den Brüdern fehlte. Mit wahrhaft mütterlicher Liebe versorgte er hungrige Kinder, arme Wanderburschen, Arbeitslose und alle, die an die Pforte kamen und um Brot, um Speise und Trank baten. Mit aufmerksamer Liebe war er bemüht um den Dienst für alle, die aus irgendeinem Grund zum Konvent kamen und er wies niemand ab.

Im Buch der Psalmen ist zu lesen (Ps 50,14): "Bring Gott als Opfer dein Lob und erfülle dem Höchsten deine Gelübde." Bruder Konrad vollzog äußerlich und innerlich das geistliche Opfer, denn er opferte Gott seine Seele. Er hungerte und dürstete Tag und Nacht nach der Erfüllung des Willens Gottes durch den vollen Ordensgehorsam. Einen besonderen Platz unter den übrigen Tugenden nahm bei unserem Bruder die Keuschheit ein. Er stellt sein Leben unter strenge Wachsamkeit und Enthaltsamkeit und ging immer mit gesenktem Kopf und zur Erde gesenkten Blicken. In der treuen Nachfolge seines armen seligen Vaters Franziskus nahm er die Hingabe seines zeitlichen Besitzes aus der Jugendzeit niemals zurück. Mit aufrichtigem und standhaftem Herzen achtete er die irdischen Dinge gering in Gesinnung und Tat, um die himmlischen Schätze zu erlangen.

Alle unsere Mitbrüder sind sich darüber einig, dass unser Bruder Konrad immer das Himmlische gesucht hat, und sie bewunderten seine Demut, seinen Gebetsgeist, der ihm wie angeboren schien, seinen Eifer für Gottes Ehre und seine Beharrlichkeit in guten Werken. Zum Göttlichen Offizium, auch in der Nacht, eilte er immer als einer der ersten trotz seiner mehr als 70 Jahre. Besonders glücklich schätzte er sich, wenn er über die gewohnten Gebetsübungen hinaus die eine oder andere Stunde länger vor dem Allerheiligsten verbringen konnte. Es war ihm gestattet, täglich zum Tisch des Herrn zu gehen und diese Gnade war für unseren Bruder die Seligkeit des Paradieses. Damit er die heilige Kommunion in größerer Ruhe und mit reichlicherer Frucht empfangen konnte, kam er täglich zu ganz früher Stunde zum Empfang. Überaus zärtlich verehrte und liebte er die jungfräuliche Gottesmutter Maria und schmückte ihr Bild regelmäßig mit frischen Blumen. Um der Verehrung seiner himmlischen Mutter zu genügen, erbat er von seinen Oberen die besondere Erlaubnis,

1) täglich früh um 5 Uhr die Gnadenkapelle aufzusuchen und dort dem Priester bei der hl. Messe zu ministrieren;



Aus dem Film "Bruder Konrad - Der heilige Pförtner von Altötting". Autor: Marius Langer. Bayerischer Rundfunk 1999.

2) nachmittags in dieser Kapelle eine Stunde Anbetung vor dem Allerheiligsten zu halten und die Gottesmutter zu verehren. Wenn der beste Ordensmann der ist, der am besten betet, so erfüllte Bruder Konrad das alles genau: Sein Geist ließ niemals ab vom Gebet.

Aus diesen wenigen Ausführungen wird klar, dass Bruder Konrad ein wahrhaft verehrungswürdiger Ordensmann war. Auch in vorgerücktem Alter war er keineswegs müßig, sondern verrichtete seine Arbeiten und frommen Übungen bis zum letzten Atemzug. Keine seiner Pflichten vernachlässigte er auch nur im Geringsten, bis die Kräfte dieses guten Bruders durch heftiges Fieber und Erkrankung der Lunge erschöpft waren. Darum wurde er in die Zelle (sie heißt "Muttergottes-Zelle") gebracht. Drei Tage später, nachdem er mit großer Andacht die Sakramente empfangen hatte, hat unser lieber Bruder Konrad als guter Pförtner seinem anklopfenden Herrn bereitwillig geöffnet und ihn mit Liebe empfangen. So gab er seinen Leib der Erde, seine Seele aber Gott zurück zur Krönung mit dem herrlichen Glanz seiner Ewigkeit. Um 8 Uhr abends an einem Samstag starb er im Konvent St. Anna in Altötting im Ruf eines überaus frommen Ordensmannes."