Bruder Konrad
Bruder Konrad von Parzham
Der heilige Kapuziner an der Klosterpforte von Altötting

30. Juni 1934: Ein Schicksalstag

Am 20. Mai (1934) war der Pfingstsonntag, und in Rom St. Peter die feierliche Heiligsprechung vor einer internationalen Versammlung von Gläubigen. Der 30. Juni wurde zu einem Schicksalstag für Adolf Hitler, für die Partei, für das ganze deutsche Volk und für die Kirche in Deutschland. Schon seit Jahren gab es bei der SA, ausgehend von ihrem Stabchef Ernst Röhm, Pläne, Hitler zu beseitigen. Es gab auch die Absicht, in der Nacht nach der Reichstagswahl vom 5. März 1933 eine "Nacht der langen Messer" oder eine "Bartholomäusnacht" zu inszenieren. Ernst Röhm wollte jedenfalls die ganze Macht in Deutschland und hatte dazu auch Verbindungen geknüpft mit Finanzleuten in England und Frankreich. Die "Bartholomäusnacht" findet nun, unter anderem Kommando zu dem Datum statt, das von Hitler und Himmler, Polizeichef von Bayern, und Heydrich, dem Chef des Sicherheitsdienstes (SO) festgesetzt wird: der 30. Juni - unter dem Namen "Röhm-Putsch". Röhm und die Oberste Führung der SA wird erschossen. Und dies ist das Datum und die Gelegenheit, sich auch anderer Gegner zu entledigen. Die beiden prominentesten Katholiken sind:



1. Dr. Fritz Gerlich/München.
Er war schon am Tag der Machtübernahme in Bayern, am 9. März 1933, verhaftet und misshandelt worden, weil er der mutigste Journalist war und der konsequenteste Kämpfer in der Öffentlichkeit gegen Hitler und seine Partei und seine Bewegung. Später wurde er wieder gefoltert und beinahe erschlagen. Als man im Ausland aufmerksam wurde, ließ man Gerlich in Ruhe. Aber an jenem 30. Juni brachte man ihn aus dem Münchner Polizeipräsidium nach Dachau und erschoss ihn sofort. Er ist als ein gläubiger Katholik für Christus und die Kirche in den Tod gegangen.

2. Dr. Erich Klausener/Berlin. Er war früher Leiter der Polizeiabteilung im preußischen Innenministerium, ist dann von Hermann Göring nach der Machtergreifung in das Verkehrsministerium abgeschoben worden. Er war der Leiter der Katholischen Aktion des Bistums Berlin. Auf dem Katholikentag am 24. Juni hatte er in einer großen Rede heftige Kritik geübt an den Maßnahmen der Regierung gegen die Kirche. Diese "staatsfeindlichen Äußerungen" waren der Grund für Heydrich, seinen Namen auf die Todesliste zu setzen. Am 30. Juni wird Dr. Klausener erschossen.

Noch Hunderte andere politische Gegner werden an diesem Tag und in dieser Nacht erschossen, erstochen, erschlagen. Der Terror wächst. So festigt Hitler seine Macht.

Altötting, August/September 1934.

In Altötting plante man für zwei Wochen eine große Festlichkeit zur Heiligsprechung in der letzten August- und der ersten Septemberwoche. Auch hier hatte es Terrorakte gegeben: die "Schwarzen" waren im Biergarten des Gasthauses Schex von der SA überfallen worden und mit Schlagringen und anderen Waffen zugerichtet worden. Dr. Josef Geiselberger (von der Druckerei Gebrüder Geiselberger) war blutig geschlagen; man hatte ihm die Kopfhaut herunter gerissen. Nun überlegte man sich, ob die kirchlichen Festlichkeiten veranstaltet werden konnten ohne Schaden für die Bevölkerung. Man hat sie gehalten. Und sie wurden eine Riesendemonstration der gläubigen Bevölkerung - als gäbe es keine Partei und keine SA und keine SS. Tausende und Abertausende kamen und feierten den heiliggesprochenen Kapuzinerbruder - und feierten die Kirche, feierten den Glauben an Jesus Christus. Die Versammlung der 35000 Männer, die Predigt des Erzbischofs von München, Kardinal Faulhaber, die Lichterprozession" über den Kapellplatz wurden zu einem Bekenntnis.

   

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