Bruder Konrad
Bruder Konrad von Parzham
Der heilige Kapuziner an der Klosterpforte von Altötting

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Heiligsprechung von Bruder Konrad an Pfingsten 1934:

Das Papstwort


Papst Pius XI. hat anlässlich der Heiligsprechung von Bruder Konrad mehr als eine Ansprache gehalten. Für die Öffentlichkeit hat er gesprochen von der christlichen Pflicht, heilig zu werden, die alle Menschen angeht.

"Heiligkeit ist nicht das Privileg einzelner unter den Gläubigen und Erlösten, sondern geht alle an; alle sind zur Heiligkeit berufen und das zu vollbringen, was - um es mit einem einfachen, etwas herb klingenden Worte auszudrücken - Pflicht ist, persönliche Pflicht, Pflicht aller." "Pflichttreue, Treue dem Gesetz Gottes gegenüber, treues Eingehen auf den Willen Gottes, der sich in den Standespflichten offenbart, das ist die gewöhnliche Offenbarung des Willens Gottes an die einzelnen, über die hinaus niemand das Recht hat, noch besondere Offenbarungen zu verlangen; denn das ist ja die Hand Gottes, der Wille Gottes, der den Menschen den Lebensstand zuweist."

Gegen Ende dieser Ansprache lässt der Heilige Vater etwas anklingen, was er im kleineren Kreis, nämlich vor den Rompilgern aus Bayern, deutlicher sagt:

"Dann beglückwünschen Wir ganz Deutschland, ganz besonders aber Bayern, in einer so ernsten geschichtlich-bedeutsamen und schweren Stunde, die es eben durchlebt; ernster und schwerer. Wir glauben, es sagen zu können und zu müssen - für Bayern. Unser Gedanke schweift hin zu allen Unseren lieben Söhnen der großen katholischen Familie in jenem großen Lande in jenem großen Volke; und Wir freuen uns lebhaft über diese Fügung der göttlichen Güte, die gerade in solcher Stunde, da solche Gärung der Ideen und Bewegungen herrscht, solches Vorwärtseilen und Auf-Abwegekommen von nicht nur starken, sondern man kann sagen sturzbachähnlichen Strömungen, ein Vorbild zeigt und vor Augen führt, das so zugänglich ist für alle und so milde, so menschlich und zugleich christlich und dem Ordensstand entsprechend. ..."

Seit dem 30. Januar hatte Hitler in Deutschland die Macht ergriffen und mit ihm die Partei und die SA - und damit der Terror, der Schrecken, das Misstrauen, die Angst, das heimliche Wissen um Konzentrationslager, um Folterung. "Du kommst nach Dachau!" Das war zu jener Zeit die unheimliche Drohung, vor der jeder erschrocken ist. Niemand hat was Genaues gewusst - und alle haben es gefürchtet. Bei der Audienz, die Papst Pius XI. am Samstagabend vor dem Pfingstfest den vielen Pilgern aus Deutschland, besonders aus Bayern gewährte, war sein Wort noch deutlicher:

"Ihr kommt zu Uns in einer so wichtigen, so schweren, so schicksalsvollen Stunde der Geschichte Deutschlands und ganz besonders der Geschichte der Religion, der katholischen Religion in Deutschland... Wir wissen, was ihr und so viele euere Brüder für den katholischen Glauben zu leiten hattet.... Und dann, geliebte Söhne, wollen Wir ganz besonders jene segnen, die für den katholischen Glauben gelitten haben (Beifall). Denn das muss auch gesagt werden, und Wir müssen es ganz besonders sagen, weil Wir eine so große Verantwortung vor Gott und den Menschen tragen, wenn es sich um Religion und Glauben handelt. Wenn andere sagen, dass Religion und Glaube nicht im Spiele sind, dann glaubt ihnen nicht! Denn es handelt sich um Religion und Glauben!"

(Langanhaltender Beifall von den Hunderten in der Aula).

Hernach nahm der Papst die Banner der katholischen Jugend und Verbände einzeln in seine weihenden Hände und hörte schweigend, stehend das gewaltige "Großer Gott, wir loben dich" der Pilger an.

Um den Zeitpunkt der Heiligsprechung politisch noch besser einordnen zu können, lesen Sie hier weiter: Schicksalstag 30. Juni 1934