Bruder Konrad
Bruder Konrad von Parzham
Der heilige Kapuziner an der Klosterpforte von Altötting

Heiliger Bruder Konrad -
Grundentscheidungen seines Lebens

Vortrag von Viktrizius Veith OFMCap, Rom, am 21. April 1994 in Parzham

Heute Morgen haben wir in Altötting die irdische Vollendung dieses Lebens gefeiert. Nun sind wir hier im Tal der Rott, in Parzham auf dem Venushof, um miteinander den Anfang seines Weges zu betrachten und auf neue Weise dem Geheimnis dieses Lebens nachzuspüren.

Jeder Mensch ist einzigartig und einmalig. Das je eigene Persongeheimnis bleibt den anderen Menschen im letzten unzugänglich und verborgen. Jeder neue Mensch hat die Aufgabe, diese seine Einzigartigkeit in dieser Welt, innerhalb der jeweiligen geschichtlichen Situation zur Entfaltung zu bringen. Jede Biographie, jeder Versuch einer Deutung dieses Menschenlebens stößt auf Grenzen. Ich bin mir dessen durchaus bewusst. Es liegt mir ferne, die einmalige Gestalt des Helligen aus Parzham in mein subjektives Menschenbild, in meine Auffassung vom "heiligen" Menschen zu pressen. Ich lasse Bruder Konrad in seiner Zeit leben.

Ich betrachte das Leben des Bruder Konrad nicht als kritisch analysierender Psychologe, sondern einfach -
  • als einer, der nun selbst schon 40 Jahre versucht, als Minderbruder nach dem Evangelium zu leben;
  • als einer, der die eigene Ordenserfahrung theologisch und anthropologisch reflektieren möchte;
  • als einer, der die Gefahr sieht, dass wir Christen und Ordensleute heute noch zu sehr mit Nebensächlichkeiten uns abgeben und das Eine Notwendige zur Nebensache werden lassen.
  • Wir stellen in diesem Leben keine sensationellen Leistungen, keine revolutionären Aktionen fest. In der täglichen Offenheit für Gottes Ruf, im bedingungslosen Dasein für andere offenbart sich das Besondere, die "Größe" dieses Lebens. Alles erscheint auf das Wesentliche reduziert. Das Leben des heiligen Bruder Konrad zwingt mich geradezu, alles Beiwerk wegzulassen und meinen Blick auf das Entscheidende, Tragende, Prägende dieses Lebens zu richten.

    Es gibt viele Möglichkeiten, sich dem Geheimnis dieses Lebens zu nähern. Ich möchte nur drei Grundentscheidungen betonen, die für Bruder Konrad lebensbestimmend waren: Drei Gesichtspunkte, die er selbst in seinen Vorsätzen am Ende des Noviziates in Laufen und in seinen Briefen an seine Geschwister und die ungenannte Schwester ausgesprochen hat:

    1. Seine radikale Grundentscheidung für Gott (Vorsatz 1, 5 und 6; die drei Briefe an die ungenannte Schwester).

    2. Das stille Dienen als Lebensaufgabe (Vorsatz 4 und 5; 3. Brief an die unge-nannte Schwester ).

    3. Der gekreuzigte Herr als Vorbild und Maßstab seines Verhaltens (Vorsatz 2 und 11; 1. Brief an die ungenannte Schwester).

    Diese drei Grundentscheidungen werden bereits während seines Lebens hier in Parzham auf dem Venushof vorbereitet. Sie finden nach und nach ihre aus-drückliche Formulierung, insbesondere bei seinem Eintritt in den Kapuzinerorden. Sie prägen das Leben des Pförtners von Altötting.

    1. Die radikale Grundentscheidung für Gott.

    Vor nicht langer Zeit behauptete der amerikanische Wissenschaftler John B. Watson, die Verhaltensweisen der Menschen werden geformt durch die Stra-fen und Belohnungen, die sie während ihrer ersten Lebensjahre erhalten: "Gebt mir 10 gesunde Kinder und meine eigene Welt, um sie zu erziehen, und ich garantiere, dass ich, wenn ich mir einen herausgreife und ihn ausbilde, ihn zu jeder Art von Spezialisten machen kann, den ich will - Arzt, Anwalt, Künst-ler, Großhändler, und ja sogar Bettler und Dieb" (zitiert nach J. W. Pennebaker, Sag was dich bedrückt, Düsseldorf 1991, 184).

    Der Einfluss der Umwelt, des Elternhauses ist nicht zu unterschätzen. Die ersten 6 Lebensjahre sind von grundlegender Bedeutung für die Entfaltung der Persönlichkeit. Wir brauchen jedoch ein ganzes Leben, um Mensch zu werden. Wir brauchen in unseren ersten Lebensjahren vor allem die Hilfe der Eltern, der Geschwister, der Mitmenschen. Nur im unmittelbaren und ungestörten Kontakt mit anderen Menschen entwickeln sich die in uns vorhandenen körperlichen und geistigen Anlagen. In Bruder Konrad entdecke ich den Bruder, der mich genau wie die Menschen damals still, aber umso eindringlicher auf das verweist, worauf es in unserem Christen- und Ordensleben letztlich ankommt.

    Niemand ist verwundert, dass das Musikgenie W. A. Mozart Eltern hatte, die auch sehr musikalisch begabt waren. Wir wissen auch, wie sehr Leopold Mozart, der Vater, bemüht war, die musikalische Begabung des Sohnes mit allen Mitteln zu fördern und zu entfalten. Es bleibt jedoch wahr: die geniale Begabung des Mozart-Kindes war ein überraschendes Geschenk des Schöpfergottes an die Familie Mozart und an die ganze Menschheit. So auch die religiöse Veranlagung des Hans Birndorfer. Das heilige Leben des Bruder Konrad ist nicht einfach das Produkt seiner gläubigen Umgebung und seiner religiösen Erziehung hier auf dem Venushof. Der junge Hans Birndorfer traf hier in Parzham, und insbesondere hier auf dem Venushof, zweifellos gute bis sehr gute Voraussetzungen für seine menschlich-religiöse Entfaltung und Reifung an: gottesfürchtige Eltern, wohlwollende Geschwister, eine stattliche Schar arbeitsamer Knechte und Mägde. Sehr früh schon erkannten die Eltern die tiefe Religiosität des Buben, und sie hinderten nicht ihre weitete Entfaltung. Dankbar bekennt Bruder Konrad später einem Mitbruder: "Du darfst es glauben, Ich weiß aus Erfahrung, was das gute und böse Beispiel vermag: hätte ich in meiner Jugend kein so gutes Beispiel vor Augen gehabt, ich wäre nicht auf den Weg gekommen, auf dem ich jetzt bin."

    Ausdrucksformen seiner Grundentscheidung für Gott:

    1.1 Das bewusste Leben in der Gegenwart Gottes.

    Das war es, was die Eltern, die Geschwister und Schulkameraden schon sehr früh spürten, wenn sie mit ihm sprachen, mit ihm auf dem Feld arbeiteten oder zur Schule gingen: der Hansl lebte allezeit mit Gott in innigster Verbindung. Er verkörpert eine Gottverbundenheit, bei der alle Dan ihrem richtigen Platz stehen. In diesem jungen Mann begegnen wir bereits hier in Parzham einem Menschen tiefen Glaubens, einem "Vertreter des Absoluten". Alle haben es gespürt: das Wort "Gott" ist für Hans kein leeres Wort, sondern ein lebendiges "Du". Beten ist für ihn ein vertrauliches Sprechen mit Gott, dessen Nähe nicht nur geglaubt, sondern offensichtlich erfahren wird. Gott ist gleichsam die geistige Atmosphäre, in der er lebt und atmet, die geistliche Quelle, aus der er unablässig trinkt und schöpft: in Gott findet er die Kraft und die Anregungen für sein religiöses Streben. Gott ist auch die Quelle seiner inneren Klärung und Reifung. Tauchen Fragen und Probleme auf in seinem Leben: Wohin geht er? Mit wem spricht er? Mit den Eltern, mit seinem Seelenführer, mit seinem Beichtvater, mit seinen Oberen. Gewiss! Doch nicht nur das. Er wendet sich vor allem an den Vater im Himmel.

    Am Ende seines Noviziates fasst er seine Absicht in diesen Vorsatz zusammen:

    "Erstens will ich es mir recht angewöhnen, mich allezeit in die Gegenwart Gottes zu stellen und mich öfters fragen, würde ich dieses oder jenes tun, wenn mich mein Beichtvater oder mein Oberer sähe, um wie viel mehr in der Gegenwart Gottes und meines Schutzengels."

    1.2 Das fortwährende Beten - als Kind - als junger Mann - als Kapuziner.

    Das Beten hat der junge Hans in der Familie gelernt. Hier auf dem Venushof wurde viel gebetet. Von Michaeli bis Ostern täglich der Rosenkranz. Und das nicht nur in Notzeiten und Hungersjahren. Doch für Hans wurde das Beten zur persönlichen Herzenssache. Der Bub hatte das Glück, dass Eltern und Geschwister ihn gewähren ließen, wenn er beten wollte. Seine Altersgenossin Anna Schneider sagt von ihm: "Ich sah den Birndorfer Hansl schon als Schulbuben, wie er fast immer allein ging, weil er immer betete."

    Die innere Sammlung war bei ihm keine Äußerlichkeit, sie kam von innen heraus. Um seine Hand gewickelt trug er oft den Rosenkranz; in der Scheune befestigte er Darstellungen des Leidens Christi und Bilder von Heiligen, um allezeit Anregungen zum betrachtenden Beten zu finden. Vor dem Hausaltar in seinem Zimmer betete er oft Nächte hindurch, wie seine Schwester Theresia bezeugte. Dass ihn einige junge Burschen wegen seines vielen Betens verspotteten, darf uns nicht verwundern. Doch viele ernste Leute machte der betende Bub und junge Mann nachdenklich: "Wenn wir nur auch so beten könnten wie der Birndorfer Hansl. Von ihm müssen wir das Beten lernen."

    Als Kapuziner schreibt er am 28. April 1872 an die unbekannte Schwester: "Meine Lebensweise besteht nun meistens darin: lieben und leiden, im Staunen und Anbeten und Bewundern der namenlosen Liebe Gottes zu uns armen Geschöpfen. In dieser Liebe meines Gottes komme ich an kein Ende. Da hindert nichts, da bin ich immer mit meinem lieben Gott auf das Innigste vereinigt. Auch bei meinen vielen Geschäften bin ich oft umso inniger mit ihm vereinigt. Ich rede da ganz vertraulich wie ein Kind mit seinem Vater. Dann bitte ich ihn, er möchte mir diese oder jene Gnade verleihen, aber mit recht kindlichem Vertrauen, ja mit recht großem Vertrauen" (zitiert nach G. Bergmann, Bruder Konrad von Parzham, S. 99). Beten war für Bruder Konrad keine Frömmigkeitsübung, keine Pflicht, sondern selbstverständliche Lebensäußerung: So wichtig wie das Atmen, bisweilen noch wichtiger als das Essen, Trinken und Schlafen. In der Zwiesprache mit Gott fand er alles, was er zu seinem Leben und zu seinem Dienst an der Pforte brauchte: Kraft, Mut, Geduld, Erholung und Freude. Wie ein Magnet das Eisen anzieht, so fühlte sich Bruder Konrad von Gott an-gezogen. Nicht zu Unrecht verglich ihn ein Mitbruder mit der Gnadenkapelle in Altötting: wie diese mitten im Weltenlärm ruhig und schweigsam dasteht - um sie herum Lärm und Getriebe, drinnen aber lauter Ruhe, Friede und Gnade - so auch Bruder Konrad. Wer diesem Beter begegnen durfte, wurde beschenkt mit dem ganzen Reichtum, den er gesammelt in sich trug: Ruhe - Friede - Gnade.

    Mit A. Donders müssen wir bekennen:

    "0 diese Heiligen! Sie sind erfinderisch in ihrem Zeithaben für das Gebet, für vieles Gebet; sie haben immer Zeit, sie machen sich Zeit, sie stehlen sich die Zeit, sie trauen nicht den vielerlei Ausflüchten, die wir (andere) stets haben oder zu finden wissen, wir hätten gar keine 'Zeit zum Beten', und dann verabsäumen wir die allereinfachsten Gebetspflichten, die wir bei gutem Willen leicht erfüllen könnten" (vgl. A. Donders, Br. Konrad, der ewige Pförtner, S. 22).

    1.3 Die Gestaltung des Sonntags.

    Der Sonntag hatte einen ganz besonderen Platz inne im Alltagsleben des jungen Birndorfer. Der Sonntag schenkte ihm jedes Mal Gelegenheit, dem Seh-nen seines Herzens nachzukommen, seinen "Hunger nach Gott" zu stillen. Frei von der schweren Arbeit auf dem Feld oder im Stall suchte er die Zwie-sprache und die Nähe Gottes in stundenlangem "Pilgerweg". Bei der Mitfeier des Gottesdienstes genoss er die Ruhe und Stille. Das ganze Jahr hindurch besuchte er am Sonntag die Frühmesse in Griesbach, dann den Hauptgottesdienst in Weng, schließlich die Nachmittagsandacht in Birnbach. Stundenlang verweilte er vor dem Tabernakel in der Zwiesprache mit seinem Gott. Um sein "Sonntagsprogramm" vor den Menschen zu verbergen, wählte er beim sonn-täglichen Heimweg einen großen Umweg am Rande eines Waldes vorbei. Die langen Wege von einer Kirche zur anderen legte er meist alleine, betend und darum auch unbedeckten Hauptes zurück. Erst gegen 4 Uhr abends kehrte er auf den Venushof zurück. Im Winter, wenn die Arbeit auf dem Hofe etwas weniger wurde, ging er auch werktags in der Frühe zur heiligen Messe nach Weng oder nach St. Wolfgang.

    Einen hohen Stellenwert hat im Frömmigkeitsleben des jungen Mannes Hans Birndorfer das Wallfahren. Eine Gruppe Gleichgesinnter schart sich um ihn und unternimmt mit ihm Wallfahrten. Vor allem nach Passau-Mariahilf. Sie beten auf dem Hin- und Rückweg oder sprechen über religiöse Dinge. Eine Teilnehmerin berichtet, der Hansl habe ihr auf dem Heimweg einmal erklärt, wie man während der heiligen Messe das Leiden Jesu betrachten könne, sodass sie fortan kein Gebetbuch mehr nötig hatte. Er selbst schöpfte Anregungen aus den Büchern des Martin von Cochem (1634 - 1712).

    Die Sonntagsgestaltung des jungen Bruder Konrad ist eine Anfrage an uns: Wie gestalten wir den Tag des Herrn? Doch wo suchen wir, wo finden wir die Begegnung mit Gott? Ich bin zutiefst davon überzeugt: Gott ist heute den Menschen nicht näher und nicht ferner als er es zu Zeiten des jungen Birndorfer Hans war. "Gott ist da, wo wir ihn in unser Leben einlassen", schreibt Martin Buber in seinem Büchlein "Der Weg des Menschen".

    1.4 Mit Gott - "da komme ich an kein Ende!"

    In geradezu mystischer Sprache drückt Bruder Konrad seine Gottes-Sehnsucht, seinen "Hunger nach Gott", sein Heimweh nach Gott aus in den Briefen an die ungenannte Schwester: "0 unsere Liebe soll groß sein. Sie soll immer größer werden; denn da gibt es keinen Stillstand. Ja, unsere Liebe muss zu einer hellen Flamme werden, die alles verzehrt, was uns nicht inniger mit ihm vereinigt, und im Verkehr mit ihm umzugehen verhindern könnte. Es ist genug, da komme ich an kein Ende."

    Momentane Krankheit und Schwäche lässt ihn in demselben Brief den Wunsch aussprechen: "Tun wir nur recht Gott lieben, dann geht es sicher dem Himmel zu und es möchte recht bald geschehen" (6. August 1872).

    Ein Jahr später schreibt er an die ungenannte Schwester:

    "Bemühen wir uns recht, ein recht innerliches in Gott verborgenes Leben zu führen; ... wenn wir wahrhaft innerlich sind, so wird uns daran nichts hindern, auch mitten in den Geschäften, die unser Beruf mit sich bringt, insofern wir es nicht selber sind (, die hindern)." Weiter bekennt er:

    "Ich bin bemüht, ihn recht zu lieben. 0, das ist ja mein einziger Kummer, dass ich ihn so wenig liebe ... Ja, ich möchte ein Seraph der Liebe sein, ich möchte ja oft alle Geschöpfe anrufen, dass sie mit mir meinen Lieben Gott lieben helfen. Ich muss schließen. Ich komme zu weit. Die Liebe hat keine Grenzen" (3. Oktober 1873).

    2. Das stille Dienen als Lebensaufgabe - Ausdrucksformen dieser Grundentscheidung:

    2.1 Verzicht auf das Herrschen und Besitzen.

    In jahrelangem Ringen erkennt Hans Birndorfer seine eigentliche Berufung. Lebensaufgabe des jungen Mannes schien zunächst die Landwirtschaft zu sein. Der frühe Tod des Vaters und der Mutter lud ihm die Mit-Verantwortung für Haus und Hof auf. Eine zeitlang spielte er mit dem Gedanken, Priester zu werden. Das Zeug hatte er dazu. Doch es fehlte ihm in jener Zeit die notwendige Förderung durch höhere Schulen oder Privatlehrer. Doch er wollte das Priesteramt nicht erzwingen. Gott wird es schon lenken und wenden, wenn er ihn als Priester haben wollte. In der jahrelangen Aussprache mit seinem geistlichen Freund und Berater Benefiziat Dullinger aus Aigen reifte der Entschluss, in einen Orden einzutreten. Von entscheidender Bedeutung war die Teilnahme an der Volksmission in Ering 1838. Seine Schwester Theresia berichtet: "Er kam ganz verändert nach Hause. Von da an war er noch schweigsamer, noch gesammelter und doppelt eifrig im Gebet."

    Es war ein schmerzvolles Ringen. Die vier Monate vor der endgültigen Entscheidung waren nicht einfach für ihn; sie haben ihn auch gesundheitlich mitgenommen. Die Geschwister bedrängten ihn, auf dem elterlichen Hof zu bleiben. Er aber lehnte ab. Er bekennt später in einem Briefe:

    "Ich konnte nicht anders. Ich musste auf die Rufe Gottes hören und auf die Welt verzichten." Während seiner Postulatszeit in Altötting wird er im ersten Jahr von den Obe-ren nach Parzham zurückgeschickt, um die Hofangelegenheiten zu regeln. Vor dem Notar verzichtet er auf das Hofrecht zugunsten seiner Geschwister. Der persönlichen Erbteil von 10.000 Gulden verteilt er wie folgt: Ein Viertel an die Pfarrkirche zu Weng zur Erweiterung des Friedhofes; ein Viertel an die Armen; ein Viertel dem Bonifatiusverein in Deutschland; ein Viertel dem neu gegrün-deten Ludwig-Missionsverein in München.

    Sein Verzicht auf allen Besitz ist nicht so sehr aszetisch begründet, sondern eher theologisch. Er verlässt Haus und Hof, nicht weil er irdischen Besitz verachtet und als böse oder ungerecht verdächtigt hätte, sondern weil er in Gott das höchste Gut entdeckt hat: das Gut, das sein Herz mit Glückseligkeit und Zufriedenheit erfüllt. Im vierten Brief an seine Geschwister betont er: "Übrigens kann ich euch schreiben, dass es mir (außer der Gesundheit) gut geht. Ich lebe recht zufrieden in Gott und verlange mir nicht mehr in diese Welt hinaus" (6. Februar 1852). Der bewusste Verzicht, das Leben ohne Eigentum ist bei Bruder Konrad jedoch innerlich gekoppelt mit der Bereitschaft, zu teilen und für die Brüder und Schwestern in körperlicher und seelischer Not zu sorgen. Die radikale Armut ist bei Bruder Konrad wie bei seinem Ordensvater Franziskus der Schlüssel, das Tor zum grenzenlosen Vertrauen zu Gott. Konrad lebte ganz einfach und schlicht, weil er dadurch Gott beweisen konnte, dass er ihm rückhaltlos ver-traute, und weil er dadurch auch anderen Menschen sein Vertrauen in ihre Großzügigkeit und Güte zeigen konnte.

    Als Einunddreißigjähriger nimmt er im September 1849 Abschied von den Seinen hier auf dem Venushof, bricht auf in Richtung Altötting und bittet daselbst beim Provinzial um Aufnahme in den Kapuzinerorden. Der Jungbauer Hans Birndorfer war der Überzeugung und hegte die Hoffnung, in einem Orden die bisherige Gottesnähe noch tiefer zu erfahren. Die klösterliche Tageseinteilung, der Rhythmus von Arbeit und Gebet war ja darauf ausgerichtet, dem einzelnen trotz aller Arbeit genug Zeit zum gemeinsamen und persönlichen Beten zu garantieren. Nicht zuletzt erhoffte er sich, im Kreis von gleichgesinnten Brüdern und Priestern Hilfe und Ansporn für sein geistliches Streben zu finden. Bald wird er jedoch merken, dass sein Glaube im Kloster nicht in ein Endstadium, sondern in eine neue Phase, in ein neues Anfangsstadium getreten ist.
    2.2 Das bedingungslose Dasein für die Menschen: der "mindere Bruder".

    Wir leben in einer Epoche tief greifender Wandlungen. Jörg Gutzwiller schreibt in seinem Büchlein 'Leitbilder': "In verschiedenster Weise wird gesucht nach der Revolutionierung des Menschen und der Gesellschaft. Ost und West stehen vor der Aufgabe, den Schlüssel zur tiefgreifenden Änderung zu finden, die den Menschen der Schwerkraft des Egoismus entreißt und die Welt verändert in Rich-tung einer solidarischen Weltgemeinschaft" (a. a. 0., S. 8).

    In Bruder Konrad begegnen wir einem "Revolutionär des Herzens", dessen Streben und bedingungsloses Dasein für die anderen in direktem Kontrast steht zum selbstsüchtigen Streben der Menschen heute nach Herrschen und Besitzen. Die Idee, die der heilige Franziskus hatte bei der Entstehung des Minderbrüderordens, findet in Bruder Konrad eine greifbare Veranschauli-chung. Bruder Konrad ist die Inkarnation des "minderen Bruders". Selten wurde das franziskanische Ideal so ernst genommen und so radikal gelebt.

    Weil er ganz Gott dienen und Christus vollkommen nachfolgen wollte, verließ er den Bauernhof in Parzham und wählte die Stille und Zurückgezogenheit des Klosters. Die Mauern des Klosters sollten ihn von dem Lärm und weltlichen Getriebe schützen. Doch es kam imgrunde ganz anders, als er es sich gedacht hatte. Als Pförtner des Anna-Klosters wird er Tag für Tag mit zahllosen Menschen aller Art konfrontiert. Still und in sich gesammelt erfüllt er 41 Jahre lang den aufreibenden Dienst an der Pforte. Sehr bald wird deutlich: Bruder Konrad hat um sich und sein Herz keine Mauern gezogen. Wenn er gebraucht wurde, war er da: öffnete die Pforte, schenkte einen freundlichen Blick, ein gutes Wort, half so gut er konnte.

    Die Wallfahrer, die Kinder und Handwerksburschen spürten: Hier öffnet einer nicht nur die Pforte des Klosters, sondern auch die Türe seines Herzens ganz weit. Das gab ihnen den Mut, diesem Bruder ihre Nöte, ihre Fragen anzuver-trauen. In den sichtbaren Gaben, die er im Auftrag seiner Mitbrüder an die ar-men Leute schenken durfte, reichte er immer mehr als die sichtbaren Dinge: im Stück Brot, im Krug Bier gab er seine ganze Güte und Liebe mit, sich selbst. Wir alle brauchen das "tägliche Brot" des guten Wortes, der persönlichen Zuwendung. Bruder Konrad schenkte in reichem Maße dieses Brot, dieses "Ja-des-Seindürfens" (Martin Buber). Er ließ sich auch nicht enttäuschen, wenn Mitbrüder, Wallfahrer oder Hilfesuchende ungeduldig wurden oder seinen Dienst an der Pforte kritisierten. Hundertmal am Tage ließ er sich rufen und versuchte seinen Dienst noch treuer und selbstloser zu verrichten. Bei ihm bewahrheitete sich ein afrikanisches Sprichwort: "Der Mensch ist die beste Medizin für den Menschen."

    Bruder Konrad schenkte Liebe und heilte dadurch viele, er schenkte greifbares Erbarmen und erlöste dadurch viele von leiblicher und seelischer Not. Die stete Verbundenheit mit Gott ist der goldene Hintergrund seiner Mitmenschlichkeit. Seine bedingungslose Hingabe an die Menschen, die an die Klosterpforte kamen und ihre Not, ihren Kummer und ihren Ärger bei ihm abluden, gründete in der immer neuen persönlichen Begegnung mit Gott. Es wird ihm nachgerühmt, dass er bei aller Gottinnigkeit nie eine Bitte vergessen habe, die ihm die Besucher an der Pforte aufgetragen haben.

    2.3 Der Mittler bei Gott ...

    Er, der seinen geheimen Wunsch, Priester zu werden, zurückgestellt hatte, um als Laienbruder an der Klosterpforte den Menschen zu dienen, wird in einer ungeahnten Weise zum Mittler zwischen Gott und den Menschen: als Minist-rant bei der täglichen Eucharistiefeier in der Gnadenkapelle trägt er all die empfohlenen Anliegen zu Gott hin durch die Fürbitte Mariens, der Mutter der Barmherzigkeit. Als stiller Beter in der Alexiuszelle, vor dem Allerheiligsten fühlt er sich stets den Anliegen seiner Priester-Brüder und der Wallfahrer verpflichtet. Und wie viel Menschennot hat er in den nächtlichen Gebetsstunden in der Kapuzinergruft vor Gott hingetragen!

    Sein Apostolat des Gebetes umfasst alle Menschennot. Im Geiste begleitet er die Priester auf ihren Sonntagsaushilfen, auf Volksmissionen und Exerzitienkursen mit seinem Gebet. Sein kurzes Wort zu aller Not und allem Kummer, die ihm anvertraut werden: "Da müssen wir halt viel beten. Der liebe Gott wird dann schon alles recht machen." Sein ständiges Beten ist getragen von einem grenzenlosen Vertrauen zum Vater im Himmel und von ungebrochener Hoffnung.

    Manchmal reichte seine Kraft nicht mehr aus, um all die seelische Not der Menschen an der Pforte mitzutragen. Daher bat er auch die Mitbrüder, für die anempfohlenen Anliegen mitzubeten. Eindringlich und demütig bat er: "Seid so gut, Brüder, und betet für diese und jene Leute! Die sind so schwer heimgesucht mit Kreuz und Leiden."

    Zahllose Menschen berichten, dass sie sich in ihrer Not an Bruder Konrad gewandt und dann Hilfe gefunden haben: "Er half mir beten und ich fand Erhörung."

    Für Bruder Konrad trifft zu, was der Hymnus der Lesehore vom Commune heiliger Männer bekennt: "Glaube wies ihm den Weg, Hoffnung verlieh ihm Kraft, liebend wurde er Christus gleich."

    3. Die Orientierung am Gekreuzigten als dem Maßstab seines Verhaltens.

    Der heilige Bonaventura sieht als Ziel des Christen- und Ordenslebens die Gleichförmigkeit ("conformitas") mit Christus dem Gekreuzigten (Breviloquium p. 4, c. 1; Apol. Paup. c. 11, 15). Nicht die sich selbst auferlegten Bußwerke, sondern das vom Leben und von den Mitmenschen auferlegte "Kreuzl" macht die echte Nachfolge des Gekreuzigten aus. Seine Orientierung am gekreuzigten Herrn findet Ausdruck in seinem Wort:

    3.1 "Das Kreuz ist mein Buch."

    Schon früh ist er mit dem Bild des Gekreuzigten vertraut. Er findet es im El-ternhaus vor, nicht nur als Zierde, sondern als Mahnzeichen im Auf und Ab des täglichen Lebens, Arbeitens und Leidens. Den Aufblick zum Gekreuzigten lernt er von seinen Eltern. Wir finden überhaupt viele Ausdrucksformen der Religiosität bei Bruder Konrad, die sich bis ins Elternhaus zurückverfolgen las-sen. Auch die einfachen und doch so tiefen Mahnungen, die Bruder Konrad an der Pforte von Altötting oder in seinen Briefen an die Geschwister und anderen Menschen erteilt, lassen die urwüchsige, bodenständige Gläubigkeit des El-ternhauses erahnen.

    In seinem Bruderdienst, in seinen Leiden und Anfechtungen ist ihm der Gekreuzigte das Leitbild, wie er ausdrücklich bekennt in seinem Brief an die unbekannte Schwester: "Und das Mittel, das ich gebrauche, mich in der Demut und Sanftmut zu üben, ist kein anderes als das Kreuz. Dies ist mein Buch. Nur ein Blick auf das Kreuz lehrt mich in jeder Gelegenheit, wie ich mich zu verhalten habe. Da lerne ich Geduld und Demut, Sanftmut und jedes Kreuz mit Geduld zu tragen. Ja, es wird mir süß und leicht" (vgl. G. Bergmann, S.99).

    Die Formulierung "Das Kreuz ist mein Buch" geht auf einen mittelalterlichen Theologen zurück. Bruder Konrad wird wohl kaum die mystisch-aszetische Schrift des heiligen Bonaventura über den "Baum des Lebens" gelesen haben, in dem es heißt: "Jesus ist das Buch des Lebens, in dem der Vater alle Schätze der Weisheit und Wissenschaft niedergelegt hat. ...0 könnte ich dieses Buch finden, dessen Ursprung ewig, dessen Wesensinhalt unvergänglich, dessen Erkenntnis Leben, dessen Schrift unzerstörbar, dessen Einsicht höchst wünschenswert, dessen Lehre leicht, dessen Wissenschaft süß, dessen Tiefe unergründlich, dessen Worte unsagbar; kurz: in dem einen Wort ist alles enthalten! Ja, wer dieses Buch findet, findet das Leben und schöpft das Heil vom Herrn" (LigVit, 46). Doch bei ihm hat sich erfüllt, was Bonaventura ersehnte. In der betrachtenden Hinwendung zu Christus dem Gekreuzigten fand sein Herz, was er suchte und brauchte. Dieses eine "von Gott selbst geschriebene Buch", wie Bonaventura sagt, ersparte dem Pförtner von Altötting das Lesen zahlreicher Bücher.

    Täglich betete, ging er den Kreuzweg. Besonders liebte er die fünf Aufopferungen des Leidens Christi für die eigenen Sünden aus dem Myrrhengarten des Martin von Cochem. Er redete viel mit seinem gekreuzigten Herrn. Beim persönlichen Beten war sein Blick auf das Allerheiligste oder auf das Kreuz gerichtet. Ein Feriengast des Klosters berichtete: "Heute habe ich Bruder Konrad im Chor knien sehen, völlig unbeweglich, den Gekreuzigten in Händen."

    3.2 "Lieben und Leiden": Der Gekreuzigte als Halt im persönlichen Leid.

    Zum Menschsein gehören auch die negativen Grenzerfahrungen. Wir leiden nicht nur unter Kälte und Hitze. Keiner bleibt auf Dauer von Misserfolg und bitteren Enttäuschungen verschont. Krankheit und Leid, sowie die Beschwerden des Alters sind unvermeidbare Elemente im Prozess unseres Reifens und Wachsens. Wer ich bin, wie weit ich im Guten gefestigt bin, wie es um meinen Glauben, um mein Vertrauen auf Gott steht, das wird in diesen Grenzerfahrungen deutlich, vor allem in Krankheit und Leid. Sie sind geradezu "die Stunde der Wahrheit". Nicht wenige Menschen gelangen in Krankheit und Leid zu einer ganz neuen Reife ihres Menschseins. Ein Leben lang weiß sich Bruder Konrad in der Schule des Gekreuzigten. Früh schon melden sich Schwächen der Gesundheit. Er macht kein Aufhebens von seinen Leiden. Den Brüdern gegenüber versucht er sie zu verharmlosen. Doch in seinen Briefen an die Geschwister beziehungsweise an die unbekannte Schwester spricht er offen davon:

    "... weil ihr wissen möchtet, wie es mit meiner Gesundheit steht, so kann ich euch schreiben, dass es mir manchmal gar nicht gut geht. Im Advent musste ich mich zweimal einige Tage ganz legen. ... Betet für mich, dass mit der liebe Gott eine gute Gesundheit verleihe, wenn es nicht anders so der Wille Gottes ist" (6. Februar 1852).

    Ungefähr 20 Jahre später schreibt er wieder an die Geschwister: "Ihr wißt es ja, wie es bei mir ist, dass ich immer soviel zu tun habe, dabei nicht gesund bin. Da bin ich immer froh, wenn ich ein bißchen Ruhe bekomme" (28. Dezember 1870). Was er im seIben Brief seiner Schwester Theresia in ihrem Leiden rät, spricht seine eigene Grundhaltung aus: "Ich bedauere die liebe Theresia, dass sie mit ihrem Fuß so viel zu leiden hat. Liebe Schwester, denke nur, es hat's der liebe Gott geschickt, es wird gewiß wieder recht werden."

    Ähnlich an die ungenannte Schwester: "Ich habe vernommen, dass sie sehr krank sind - auch wieder eine Gnadenzeit für euer Seelenheil. Benützen sie es recht. In der Krankheit lernt man viel, wenn man nur recht will" (28. April 1872).

    Ganz Vertrauten gestand er, dass er aufgrund seines Magenleidens oft gräßliche Schmerzen auszustehen habe; doch er klagte nie darüber. Sein Dienst an der Pforte war nicht leicht. Bruder Primus bedauerte ihn einmal: "Du hast einen harten Dienst an der Pforte." Der Angeredete schaute zu Boden; es war nicht zu leugnen. Konrad sagte nur: "In Gottes Namen. Mein Dienst ist wirklich ein Kreuz. Man muß ihn als Kreuz nehmen, dann wird es viel leichter!" "Ohne Kreuz geht es nicht!", sagte er immer wieder.

    Im Blick auf das Kreuz lernt er Geduld mit den Menschen, findet er Kraft und Halt bei all den großen und kleinen Mühsalen des langen Ordenslebens, bei den Beschwerden des täglichen Pfortendienstes, bei den Schmerzen und Gebrechen seiner schwachen Gesundheit. Am 6. August 1872 schreibt er an die ungenannte Schwester: "Meine Gesundheit ist wie immer: leiden, aber doch (nur) soviel, dass ich meinem Beruf nachkommen kann."

    Auch das Zusammenleben und Zusammenarbeiten mit anderen Menschen fordert viel Selbstlosigkeit, Toleranz, Nachsicht und Geduld. Bruder Konrad mühte sich, mit Liebe und Barmherzigkeit jedem Bruder zu begegnen. Sein diesbezüglicher 4. Vorsatz im Noviziat lautete: "Ich will mich bestreben, die Bruderliebe in mir und in den anderen zu bewahren ... Die Fehler und Mängel und Schwachheiten der anderen will ich geduldig ertragen und will es, soviel es sein kann, mit dem Mantel der Liebe zudecken."

    Sein Provinzial Viktrizius Weiß bezeugt: Bezüglich des Verkehrs mit ihm und seinen Mitbrüdern hebe ich hervor, dass über ihn nie eine Klage wegen Unverträglichkeit bei mir eingelaufen ist." Sein Guardian Engelbert betont: "Ich kann mich nicht erinnern, dass Bruder Konrad je einen Mitbruder beleidigt hat; auch er selbst hat niemals gegen diese Klage bei mir geführt." Jedes lieblose Reden und Kritisieren war ihm zuwider.

    3.3 "Der liebe Gott wird Barmherzigkeit haben": die gekreuzigte Liebe.

    Gewisse Reformatoren predigen gerne einen Kreuzzug gegen das Böse. Bruder Konrad wird stumm und schweigsam, er nimmt die Schuld der anderen auf sich und trägt sie zu Gott. Die "Stillen im Lande" leisten verborgen und ungesehen das eigentliche Werk der Versöhnung und des Friedens. Sie machen es wie Jesus, der keinen Kreuzzug unternommen hat, wohl aber den Kreuzweg gegangen ist.

    Manchmal fühlte Bruder Konrad seine eigenen Kräfte schwinden. Die Gebetssammlung ließ nach, die körperliche Erschöpfung nahm zu. Die Grobheit, Ungeduld und Unvernunft mancher Pilger und Handwerksburschen brachte den guten Pförtner in Not und Bedrängnis. Freunde des Klosters und vor allem die Mitbrüder bekamen es mit der Angst zu tun, wenn sie bisweilen das laute und aufdringliche Getue an der Pforte mitbekamen; sie wollten einschreiten. Doch Bruder Konrad meinte nur: "Der liebe Gott wird Barmherzigkeit haben; wir müssen recht beten, dass wir die Geduld nicht verlieren."

    Bruder Konrad sah die tiefere Not der Menschen, die da in ihrer ganzen Armseligkeit zu ihm an die Pforte kamen. Nicht als strenger Richter behandelte oder verurteilte er solche Menschen, sondern als mitleidender Bruder empfahl er sie der Barmherzigkeit Gottes. Manchen hat er durch sein gütiges Verhalten, durch seinen durchdringenden Blick zur Umkehr des Lebens geführt. Hörte er vom Irrweg eines Mitbruders, eines Priesters, von Krieg unter den Völkern, so war sein einziger Kommentar nur: "Da müssen wir beten."

    Gewiss, auch er zeigte sich betroffen, war traurig, wenn er mit dem Bösen konfrontiert wurde. Doch das Kreuz offenbarte ihm die grenzenlose Liebe Gottes zu den Sündern. So konnte auch er nur grenzenlos geduldig und barmherzig sein, wo er der Schwachheit und Sünde begegnete. Er versprach gerne sein Gebet den Hilfesuchenden und knüpfte so ein Band der Liebe zwischen ihnen und Gott, und nahm ihnen ein Stück Kreuz ab (vgl. G. Bergmann, Bruder Konrad von Parzham, 5.174).

    Schluss:

    Das "heilige Leben" des Mitbruders Konrad von Parzham ist das staunenswerte Werk, das überraschende Geschenk Gottes an die Kirche, an die Menschheit. Er kann uns Leitbild sein. Sein Leben stellt an uns viele Fragen, z. B.:
    1. Wie steht es bei uns mit der Grundentscheidung für Gott?
    2. Wie verwirklichen wir unsere Lebensaufgabe da, wo Gott uns hingestellt hat?
    3. Welches ist der Maßstab unseres Verhaltens in der heutigen Welt?

    Vielleicht denkt jetzt der eine oder andere: ich bin kein heiliger Bruder Konrad, Gott hat mir nicht solche Gnaden gewährt. Darauf möchte ich nur antworten mit einem Zitat aus dem Büchlein von Martin Buber: "Der Weg des Menschen nach der chassidischen Lehre": "Rabbi Sussja rief im Angesicht des Todes aus: 'In der zukünftigen Welt wird man mich nicht fragen: Warum bist du nicht Moses gewesen?, sondern man wird mich fragen: Warum bist du nicht Sussja gewesen?'"

    Parzham, den 21. April 1994 Viktrizius Veith OFMCap, Rom

    Eingesehene Literatur:

  • Sacra Rituum Congregatione, Cardinali Aodrea Frühwirt, Relatore Passavien., Beatificationis et Canonizationis Servi Dei Fr. Conradi a Parzham, laici professi Ordinis Mj,norum Capuccinorum, Positio super virtutibus, Romae 1927, Typis Guerra et Mirri (Heiligsprechungsakten).
  • G. Bergmann, Bruder Konrad von Parzham. Einer, der klein genug war, Altötting 1965.
  • G. Bergmann, Bruder zwischen gestern und morgen, Konrad von Parzham, Passau 1974.
  • A. Donders, Bruder Konrad, der ewige Pförtner, Münster 1934. Josef Anton (Kessler), Im Dienste Gottes und der Menschen.
  • Ein Lebensbild des seligen Bruder Konrad von Parzham, München 1930.
  • K. Kleiner, Bruder Konrad und Altötting, Würzburg 1984.
  • K. Kleiner, Bruder Konrad, 1818 - 1894, München 1994.
  • A. Rotzetter, Bruder Konrad von Parzham - Ein Zeuge Gottes für unsere Zeit, in Fidelis 81 (1994) 14 - 33.
  • G. Walser, Der heilige Bruder Konrad 1818 - 1894, Ein Lebensbild, Altötting 1984.
  • Bruder-Konrad-Jahr 1969, Sonderheft des Altöttinger Franziskusblattes, April/Mai 1969.
  • IKI, (Internationale Kapuzinerinformationen), Sondernummer, 24. Jg., Nr. 125, Juni 1994, Via Piemonte, 70, I-00187 Rom.

       

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