Bruder Konrad
Bruder Konrad von Parzham
Der heilige Kapuziner an der Klosterpforte von Altötting

LIEDPREDIGT zum Bruder Konrad-Lied, 1994

Liedtext und Ausdeutung von Prälat Max Huber, Passau.
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1. Strophe:
"Bruder Konrad als ein Bauer
betend pflügt er übers Land.
Gottes Liebe tief im Herzen,
Gottes Perlen an der Hand .
in den Acker fällt der Samen,
Gottes Wort fällt ihm ins Herz,
auf dem Felde wächst der Weizen
und sein Herz wächst himmelwärts."

2. Strophe:
"Bruder Konrad, großer Pilger
auf dem Wege weit und viel,
und er horcht, was Gott mit seinem Leben
hier auf Erden will.
Hinter stillen Klostermauern
endet seine Pilgerschaft.
Und wie Gott liebt er die Armen
in Geduld und aller Kraft."

3. Strophe:
Bruder Konrad, großer Beter,
vor dem Kreuz und dem Altar.
Denn am Kreuz hängt Gottes Liebe
und im Brot bringt er sich dar.
Und das Kreuz wird ihm zum Buche,
draus er gottverloren liest,
und ein Strom von Feuerfunken
vom Altar her niederfließt.

4. Strophe:
Bruder Konrad, groß im Kleinen,
töricht vor dem Blick der Welt,
lass auch uns mehr sein als scheinen,
leben wie es Gott gefällt.
Nimm die Kirche unsres Landes
ins Gebet vor Gottes Thron :
Dass wir neu zum Glauben finden,
sei du unser Schutzpatron!

A Singen ist christlich

Liturgie und Musik in all ihrer Vielfalt (Chormusik, Psalmgesang, Antwortgesang, Kirchenlied) gehören zusammen. Was in Worten allein nicht zum Ausdruck gebracht werden kann, leistet die Musik, der Gesang. Durch Stimmen wird Stimmung zum Ausdruck gebracht und hervorgerufen, um Zustimmung und schließlich Übereinstimmung zu erreichen. Das Singen der Christen ist Ausdruck der gemeinsamen Heilserfahrung, grundgelegt durch die Zuwendung Gottes in seinem Sohn und hat deshalb in der Liturgie einen hohen Stellenwert. Der religiöse Gesang ist die Antwort der Kirche auf diese Zuwendung Gottes. Immer schon hat das Volk Gottes des Alten und erst recht des Neuen Bundes die Heilstaten Gottes besungen und sich permanent daran erinnert (Memoria). Der Gemeindegesang ist somit einer der wichtigsten Formen der Teilnahme am Gottesdienst der Kirche.

Die Kirche besingt und bejubelt aber auch die Heilstaten Gottes an den Heiligen, an denen das Wirken Gottes und seines Geistes besonders zum Durchbruch gekommen sind. Darin liegt eigentlich der Ursprung der Heiligenlieder. Wir wollen uns heute ein Heiligenlied erschließen und kennenlernen, das eigens für das Bruder Konrad-Jahr neu in Text und Melodie geschrieben worden ist.

B Zum Textinhalt

1. Strophe:

Die erste Strophe erinnert an die Herkunft des Birndorfer Hans, wie der Bruder Konrad mit seinem bürgerlichen Namen heißt. 1818 geboren, entstammt er bekanntlich einem großen Bauernhof (150 Tagwerk groß), den er einmal übernehmen sollte.

Als elftes von 12 Geschwistern wuchs er in seiner Familie in schwierigen Zeiten auf. Trotz der vielen Arbeit nahm man sich in der Familie auch Zeit für das tägliche Gebet und den gemeinsamen Rosenkranz. Man wusste bei Birndorfers: Ohne Gottes Hilfe ist alle menschliche Tätigkeit vergebens. Und der Hans Birndorfer betete gern, schon von früher Kindheit an.

Mit 14 verliert er seine Mutter, mit 16 den Vater. Nicht zuletzt werden diese Schicksalserfahrungen, das frühe Gefordertsein und der daraus folgende Zwang zur Selbstständigkeit der

Grund sein für die ungewöhnliche Ernsthaftigkeit dieses jungen Mannes. Was die Eltern an Frömmigkeit grundgelegt haben ("die Eltern sind das Buch, in dem die Kinder lesen"), half ihm, angesichts der vielen Schicksalsschläge nicht zu verbittern, sondern sich erst recht einzuwurzeln in Gott. Auch bei der Feldarbeit. Er geht hinter dem Pflug her, den Rosenkranz, die Perlen, in der Hand. Sich so der Gegenwart Gottes im Alltag bewusst, kann es schon einmal geschehen, dass der Erntewagen umfällt, oder die Pferde scheu werden.

Ein Vergleich aus der Natur ( wie sie auch Jesus gern für sein Reden von Gott gebraucht), mit der der Bauer sich besonders eng verbunden weiß und die seine Lebenswelt und seinen Berufsalltag bestimmt, will der Liedtext das religiöse Wachstum des Hans Birndorfer ins Bild setzen.

Da wird er selbst zum Acker Gottes, offen wie ein gepflügtes Feld. Dem Wachstum der Weizensaat entspricht die immer größer werdende Gottesliebe des jungen Bauern, dessen Herz immer mehr dem Geheimnis Gottes in seinem Leben zuwächst.

2. Strophe:

Der Mensch ist ein Wanderer zwischen zwei Welten, weil er im Tiefsten seines Wesens auf Gott programmiert ist und für ihn im Innersten "sein Nest hat". Weil er Sinn für Sinn hat. Wer sich darauf einlässt, für den wird das Leben zu einer Suchbewegung, die ihn auf einen Weg bringt. Das II. Vatikanische Konzil hat alle Gottes- und Christusgläubigen, die Kirche, beschrieben als Volk Gottes unterwegs.

Diese Suche, die Sehnsucht und Liebe zu Gott, haben den Birndorfer Hans zum Wallfahrer gemacht. Alle Wallfahrtsstätten der näheren und weiteren Umgebung hat er besucht ohne Vernachlässigung seiner Arbeit, um Gott dafür zu bitten und anzufragen, was er mit seinem Leben vorhat.

Und eine Wallfahrt war es denn auch, auf der sich das Leben des Hans Birndorfer wendete. Anlässlich der Volksmission 1838, bei der 300-Jahrfeier des Wallfahrtskirchleins St. Anna bei Ering, ist ihm seine künftige Lebensform klar geworden. Schon vorher immer wieder begleitet in all den Jahren von seinem geistlichen Freund, dem Benefiziaten Dullinger aus Aigen / Inn. So hat er sich schließlich seine künftige Form, mit Gott zu leben, "erwandert".

Er verzichtet 1849 als 31 jähriger auf sein reiches Bauernerbe, auf das damit verbundene persönliche Ansehen und die Sicherheit, und gibt seinen Anteil für die Sache der Weltmission, für die Diaspora und für die Erweiterung seines heimatlichen Friedhofs. Eine hohe Sensibilität für die Belange der Kirche über den heimischen Kirchturm hinaus. Das macht seine Religiosität besonders glaubwürdig.

Nach dem Eintritt ins Kapuzinerkloster St. Anna in Altötting bekommt er schon sehr früh den Dienst an der beschwerlichen Klosterpforte übertragen. Und wie Gott liebt er die Armen in Geduld und aller Kraft.

Ein harter Dienst der Caritas an den Pilgern, Armen, Bittsuchern, Bettlern und Lieferanten. Kein unnützes Wort, aber erfreuende Güte war seine Gabe.

3. Strophe:

Die Kraft zu seinem Liebesdienst an den Armen holte er sich am Kreuz und vorm Altar. "Das Kreuz war sein Buch", um es mit dem Passauer Lyriker Rupert Schützbach auszudrücken, "und fließend las er auch jene dunklen Stellen, bei denen wir uns trotz Mittlerer Reife und Abitur wie Analphabeten gebärden"! Im Blick auf den Gekreuzigten vermochte er trotz der Härte seiner täglichen Anforderungen glücklich zu sein. Dann schaute er gewissermaßen in den Spiegel göttlicher Selbstentäußerung und der restlosen Hingabe Gottes an die Menschen. II Das Mittel, das ich gebrauche, mich in Demut und Sanftmut zu üben, ist kein anderes als das Kreuz.

Dies ist mein Buch, schrieb er in einem Brief und machte diese Worte zum Markenzeichen seiner Gottverbundenheit.

Oft verkannt und streng behandelt von seinen Oberen, erhielt er aber dennoch das Privileg, in Allerherrgottsfrühe bei der Messe in der Gnadenkapelle, entgegen den eucharistischen Gepflogenheiten seiner Zeit, täglich kommunizieren zu dürfen. So groß war seine Sehnsucht nach dem Sakrament der Liebe Gottes.

In solchen gnadenvollen Augenblicken der Gottverbundenheit geschah es dann, dass Augenzeugen ein merkwürdiges Phänomen wahrnahmen: Goldene Kugeln oder Feuerfunken, die aus seinem Mund zum Gnadenbild aufsteigen und es wie ein Glanz um sein Haupt ist.

4. Strophe:

Ein Pauluswort aus dem 1. Korintherbrief scheint Bruder Konrad besonders auf den Leib und ins Herz geschrieben: "Das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zu beschämen. (1 Kor 1, 25 27) "Mehr sein als scheinen", das sei auch unserer Zeit kritisch ins Stammbuch geschrieben. Unserer Zeit, die in so vielem jener Geisteshaltung ähnelt, die der Zeitgenosse des Bruder Konrad, der Philosoph Friedrich Nietzsche wortgewaltig so formulierte:

"Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne (Gott) losketteten? ... Stürzen wir nicht fortwährend? Rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht durch ein unendliches Nichts?"

Emanzipation von Gott, ich-zentrierte Selbstverwirklichung um jeden Preis und eine Lebenseinstellung derer, die glauben, dass der Sinn und das Glück eines erfüllten Lebens allein in Besitz, Profit und Karriere und Lustgewinn besteht, wird ein Menschenleben aus eigener Kraft mit all seinen Spannungen, Brüchen und Konflikten nicht aushalten können.

Und wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt, sehr zum Schaden des Menschen.

Nicht das ewige Kreisen um die eigene Person und das Zurückbeugen des Menschen auf sich selbst, machen ihn heil. Nur wer sich an Gott und den Nächsten verliert, wird sich gewinnen. Bruder Konrad hat dieses Jesus-Wort zu leben versucht und ist dabei ein Heiliger geworden.

Auch für die Kirche der Gegenwart gilt:

Die Kirche wird entweder mystisch (d. h. in Gott verwurzelt) sein oder sie wird nicht sein. (Karl Rahner) Das aber dürfen wir uns und unseren Mitmenschen nicht antun.

 

C

Die Beschäftigung mit dem Leben des Bruder Konrad, unseres dritten Diözesanpatrons, lohnt sich! Wir können ihn gewiss nicht einfach kopieren. Wir müssen unser Christsein leben in unserer Zeit mit ihren Problemen. und Besonderheiten.

Aber er könnte uns zu denken geben. Bekehrung in uns anstoßen und uns einladen zur Vertiefung unseres christlichen Lebens.

Darum unsere inständige Bitte an ihn:

"Nimm die Kirche unseres Landes ins Gebet vor Gottes Thron,

dass wir neu zum Glauben finden, sei du unser Schutzpatron." Amen.

   

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